Die «Erlenbacher» waren der Inbegriff für Oberländer Pferde

Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Pferdezucht und die Pferdemärkte in Erlenbach sehr berühmt, nicht nur in der Schweiz, sondern sogar in der ganzen Welt, in Ost und West. Die gute Grasnarbe auf den besonders guten kalkhaltigen Alpen liess die Pferde im Simmental, im Saanenland und im Emmental gesund und starkknochig heranwachsen.

Im Laufe der Zeit haben sich in der Schweiz folgende Pferdetypen unterschieden:

  1. der Erlenbacher,
  2. der Emmentaler,
  3. der Einsiedler,
  4. das Jurapferd.

Den Warmblut-Pferdeschlag haben nicht nur die Simmentaler, sondern auch die Geistlichen des Klosters Einsiedeln hochgebracht.

Im Hauptzuchtgebiet des Warmblutpferdes, im Simmental, sind nach Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabes von Sprecher ungarische Vollbluthengste importiert und zur Zucht verwendet worden. Nach der französischen Invasion wurde durch Vererbung des spanisch-andalusischen Rapphengstes des spanischen Feldmarschalls von Reding gutes Blut eingeführt. Dieser andalusische Hengst soll speziell Rappfohlen vererbt haben. «Rappen» waren die beliebtesten Pferde des Erlenbacher Schlages. Dieser Erlenbacher Schlag zeigte edle Formen, viel Temperament, war zügig und strassig und ein gutes Reitpferd.

Unter den erfolgreichen Berner Pferdezüchtern galten die Oberländer als erstklassig. Ihr jährlicher Pferdemarkt in Erlenbach i.S. erlangte europäische Bedeutung. Der Chronist Christen aus Bern schrieb, dass jährlich bis 10000 Pferde nach Frankreich, Deutschland, Italien und Schweden verkauft worden seien. Die Franzosen kauften auch unter napoleonischer Herrschaft viele Fohlen. Man sprach damals von einem «Erlenbacher» wie übrigens auch heute noch. Der Marktort Erlenbach hat den im Berner Oberland gezüchteten Pferden den Namen gegeben.


Erlenbach-Weissenburg Post

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn zwischen 1850 und 1900 und den Fehlern des Staates, der die Züchter nicht mehr unterstützte, und wegen der aufstrebenden Rinderzucht schrumpfte die einst so blühende und berühmte Erlenbacher Pferdezucht sehr schnell zusammen. Im Jahre 1916 schrieb General Wille:

«Der Misserfolg früherer Zeitperioden in der Halbblutzucht fällt weder der Sache noch dem heutigen Zielstreben, sondern der Systemlosigkeit früherer staatlicher Eingriffe zur Last, die es fertig brachte, die einstigen blühenden Pferdezuchten unseres Landes zum Verschwinden zu bringen». Die einzigen Zeugen der damaligen Hochblüte sind die prunkvollen Simmentaler Häuser. Einzig die Jurassier haben es durch Eigeninitiative fertig gebracht, ihre Rasse zu erhalten. Heute ist das Jurapferd für alle Dienste ein gutes, brauchbares Pferd.

 

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